Werbung für Sportwetten

Sportwettanbieter haben für 2021 einen Rekordumsatz von 9,4 Milliarden Euro gemeldet – ein Zuwachs um rund 21 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Dieses Ergebnis ist sicher auch der deutlich verstärkten Werbung und intensiverem Sponsoring zuzuschreiben. In diesem Jahr lässt die Fußball Weltmeisterschaft in Katar die Anbieter von Sportwetten auf noch höhere Rekorde hoffen.

Suchtgefahr von Sportwetten

Insgesamt sind in Deutschland etwa 1,38 Millionen Menschen glücksspielsüchtig. Sportwetten sind dabei eine der riskanten Glücksspielformen: Über 50 % der Personen, die an Sportwetten (terrestrisch oder online) teilnehmen, weisen ein problematisches (32,2 %) oder sogar pathologisches Glücksspielverhalten (18,9 %) auf.[1]

Akzeptanz des Spielerschutzes

Trotz des hohen Risikos wird eine Begrenzung des Angebots von Sportwetten nur von knapp über 50 % der Befragten im Glücksspielsurvey[2] als sinnvolle Maßnahme des Spielerschutzes akzeptiert. Diese geringe Akzeptanz wird durch Prominente Werbepartner der Sportwetten-Anbieter gefördert: Wenn ein Oliver Kahn behauptete, bei Tipico sei „Ihre Wette in sicheren Händen“, wurde suggeriert, die Spielteilnahme sei gefahrlos.

Werbeverbot von Funktionären

Heute darf Oliver Kahn keine Werbung mehr für Tipico machen: Der neue Glücksspielstaatsvertrag (GlüStV 2021) verbietet Werbung für Sportwetten mit aktiven Sportler*innen und Funktionär*innen. Um den Jugendschutz zu stärken und die Suchtgefahren transparenter darzustellen, sollen Prominente nicht mehr den Eindruck erwecken, Sportwetten seien harmlos oder sogar normal. Schließlich haben insbesondere Prominente und Influencer großen Einfluss auf Minderjährige.

Trikot- und Bandenwerbung

Mit diesem ersten Schritt wird Werbung für Sportwetten ein Stück weit eingedämmt. Weiterhin erlaubt bleibt allerdings die Werbung auf Trikots und auf den Banden der Stadien. Wer sportbegeistert ist und gern seiner Mannschaft zujubelt, kann der Werbung daher weiterhin nicht entkommen.

Besonders bedenklich: Trikots sind oft begehrte Fan-Accessoires unter Jugendlichen – obwohl sie nicht an Glücksspielen teilnehmen dürfen, weil sie unter 18 Jahre alt sind, tragen sie dann auf dem Trikot die Werbung der Glücksspielanbieter. Selbst kleine Kinder sehen im Stadion, dass die Wettanbieter auf jeder Bandenwerbung präsent sind. All das trägt dazu bei, dass Sportwetten nicht als riskant wahrgenommen werden.

Vereine und Fanorganisationen

Dass es auch anders geht, zeigt Großbritannien: Nachdem rund 20 Fußballvereine in einem offenen Brief das Verbot von Glücksspiel-Sponsoring auf Trikots gefordert haben, plant das britische Committee for Advertising Practice (CAP) ab Oktober ein Verbot prominenter Sportler*innen in der Glücksspielwerbung. Auch in Deutschland fordern immer mehr Stimmen ein Umdenken bei der Werbung für Sportwetten: Der Verein Unsere Kurve e. V. bezieht als Fanorganisation deutlich Stellung und fordert von Politik und Vereinen effektive Maßnahmen, die die Vertuschung des Sucht- und Gefährdungspotenzials von Sportwetten verhindern.


[1] Buth, S.; Meyer, G.; Kalke, J. (2022): Glücksspielteilnahme und glücksspielbezogene Probleme in der Bevölkerung – Ergebnisse des Glücksspiel-Survey 2021. Institut für interdisziplinäre Sucht- und Drogenforschung (ISD), Hamburg

[2] S. o.