Szene – Gegenwart: Wohnung von Familie Rauch

Warnhinweis: Dieser Beitrag kann auf empfindliche Personen belastend wirken!

Weitere Hinweise über diese Reihe finden Sie in unserem Blogbeitrag Vorwort Spielerreportagen.

Manuels Geburtstagsfeier. Ein paar Luftschlangen hängen um die Küchenlampe. Auf dem
Tisch stehen selbstgemachte Erdbeertörtchen. Regina, Manuel und Peter sitzen am Tisch.
Auf dem Tisch stehen vier unterschiedlich lange rote Kerzen. Peter beginnt zu singen. Er
unterstreicht seinen Gesang mit dirigierenden Handbewegungen.

Peter: „Happy birthday to you. Happy birthday to you. Happy birthday lieber Manuel. Happy
birthday to you.“

Peter singt alleine. Regina schaut eher traurig auf den Küchentisch. Peter hört auf zu singen.
Eine Pause entsteht.

Regina erhebt sich und holt ein Paket aus dem Küchenschrank. Das Geschenkpapier ist
zerknittert, wirkt wie gebraucht. Sie reicht Manuel das Paket, der es mit erwartungsvollen
Augen zu öffnen beginnt. Er zerreißt das Papier beinahe, stockt als er durch die Löcher in der
Verpackung den Pullover sieht. Alle Energie scheint wie verflogen. Er lässt das halb
ausgepackte Päckchen auf den Boden fallen.

Regina (stupst Manuel motivierend an): „Komm´, probier´ ihn mal an.“

Regina packt den Pullover endgültig aus, versucht ihn Manuel anzuhalten, der sich
widerwillig entzieht.

Manuel (enttäuscht): „Ich will nicht. Ich mag den nicht.“

Regina versucht Manuels Widerstand sanft zu brechen, ihm den Pullover überzustreifen.
Manuel beginnt zu weinen.

Peter (zu Regina): „Lass´ gut sein. Komm´, lass´ den Jungen. (und zu Manuel) Manuel, komm´
zu Papa. Ich hab´ auch noch was für dich.“

Regina entlässt unwillig Manuel, der fast zu seinem Vater flieht. Peter zieht mit großem
Bribamborium seine Brieftasche aus der Gesäßtasche, wedelt mit dieser spielerisch ein vor
Manuels Gesicht herum, stoppt dann und hebt die Brieftasche hoch über seinen Kopf.

Peter (mit überbetonter Stimme zu Manuel): „Und nun das Geschenk von deinem Papa! (und
verschwörerisch leise weiter) Was es wohl sein mag? Ein Pony?“

Manuel schüttelt den Kopf und beginnt unter Tränen zu lächeln.

Peter: „Nein!, da hast du recht. Das passt hier nicht rein. Und außerdem… (Pause) Ich hör´
auch nichts Wiehern.“

Peter wedelt mit der Brieftasche.

Manuel will seinem Vater die Brieftasche aus der Hand nehmen, erreicht sie aber nicht. Er
tanzt und hüpft um den ausgestreckten Arm seines Vaters herum.

Peter (weiter verschwörerisch): „Das Piratenschiff von Lego?“

Manuel (jauchzend): „Ja, ja…“

Peter (freudig): „Oder etwa die…(er zögert, um dann laut marktschreierisch auszurufen) die
Play-Station!“

Manuel (aufgeregt): „Ja, ja, ja…!“

Peter (mit affektierter Stimme): „Nein, nein, junger Mann. Noch besser. Noch viel besser.“

Er zückt mit großer Geste einen Briefumschlag aus der Brieftasche, dreht und wendet ihn in
der Luft, schnuppert daran, hält ihn vors Ohr. Dann auf den Briefumschlag deutend:

Peter: „Soll ich?“

Manuel (aufgeregt, zappelnd): „Ja! Mach´ ihn auf. Aufmachen, Papa, bitte, bitte
aufmachen.“

Peter öffnet den Briefumschlag umständlich, entnimmt ihm ein Blatt kariertes Rechenpapier
und liest mit bedeutungsschwerer Stimme:

Peter (pathetisch): „Hier steht – Gutschein für eine Reise nach Disney-Land-Paris. Nur Vater
und Sohn.“

Manuel (begeistert jubelnd): „Wir fahren zur Mickey Mouse! Mama, Mama… Papa fährt mit
mir zur Mickey Mouse!“

Regina fällt unwirsch zornig in den Jubel ihres Sohnes.

Regina (zornig): „Halt´ den Mund (zu Manuel und zu Peter). Was bist du bloß für ein Mensch!
Ich glaub´s einfach nicht. Ein schäbiger Traumverkäufer.“

Regina ist aufgesprungen, will das Zimmer verlassen. Peter verstellt ihr bestimmt den Weg.
Regina mit eiskalter Stimme zu Peter:

Regina: „Geh´ mir aus dem Weg. Geh´ mir sofort aus dem Weg oder ich vergess´ mich.“

Regina und Peter schauen sich eine kurze Zeit starr an. Peter zuckt die Schultern und gibt
Regina den Weg frei. Regina geht zur Zimmertür. Sie dreht sich in der Tür um und mit Tränen
in den Augen:

Regina : „Weißt du, woher die Kerzen kommen? (Kurze Pause mit Blick auf die
unterschiedlich langen Kerzen) Vom letzten Advents-Kranz!“

Regina verlässt das Zimmer. Manuel schaut seinen Vater völlig irritiert an.

Manuel (zögerlich): „Wann fahrn´ wir denn zur Mickey Mouse, Papa?“

Peter (Manuel an sich drückend mit tonloser Stimme): „Bald, mein Junge. Sehr bald.“