Kinder aus glücksspielsuchtbelasteten Familien

Wie viele Kinder betrifft das?

Glücksspielsucht ist eine unauffällige und von außen nur schwer – und oft spät – erkennbare Krankheit: die sogenannte unsichtbare Sucht. Die Betroffenen haben keine spezifischen körperlichen Auffälligkeiten. Daher können sie sich selbst und andere lange über ihre wahre Situation täuschen.

Die Ergebnisse des Glücksspiel-Survey 2021 zeigen, dass über 2 % der Bevölkerung eine Glücksspielstörung aufweisen. Der Survey unterscheidet dabei zwischen einer leichten (1,1 %), mittleren (0,7 %) und schweren Störung (0,5%). Von einer Glücksspielstörung sind öfter Männer betroffen als Frauen und sie tritt am häufigsten bei Personen auf, die an Geldspielautomaten spielen, gefolgt von Teilnehmenden an Live-Sportwetten.

Rechnet man diesen Anteil anhand der Daten des Statistischen Bundesamtes auf die erwachsene Bevölkerung in Deutschland hoch, dann sind hier etwa 1.380.000 Menschen von einer Glücksspielstörung betroffen. Viele dieser Menschen leben in einer Familie und haben Kinder: Laut Drogen- und Suchtbericht 2017 trifft das auf ein Viertel bis ein Drittel der Glücksspielsüchtigen zu. Sie haben minderjährige Kinder. Berechnet auf die Anzahl Glücksspielsüchtiger macht das zwischen 345.000 und 460.000 glücksspielsüchtige Menschen mit Kindern.

Das Statistische Bundesamt hat aktuell eine Geburtenziffer von 1,53 berechnet. Rechnet man das auf die Anzahl glücksspielsüchtiger Menschen um, macht das zwischen 528.000 und 704.000 Kinder, die in einer Familie aufwachsen, in der mindestens ein Elternteil glücksspielsüchtig ist.

Weitere 5,7 % der Menschen in Deutschland zeigen ein riskantes Glücksspielverhalten. Auch bei ihnen machen sich deutliche glücksspielbezogene Probleme bemerkbar – wenn auch in einem etwas geringeren Ausmaß als bei einer Glücksspielstörung. Dennoch ist davon auszugehen, dass ihr Glücksspielverhalten sich bereits negativ auf nahe Angehörige, insbesondere ihre Kinder, auswirkt.

Es ist davon auszugehen, dass Personen mit einem riskanten Glücksspielverhalten etwa in gleichem Umfang in Familien leben und Kinder haben. Aus diesen Familien kommen also noch einmal etwa 1,3 bis 1,7 Millionen Kinder hinzu, die von den Folgen des Glücksspielens unterschiedlich stark betroffen sind.

Insgesamt muss also davon ausgegangen werden, dass bis zu 2,4 Millionen Kinder in Deutschland von den Folgen des Glücksspielens betroffen sind.