FAQ

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Das Spielen – von Kinderspielen über Gesellschaftsspiele bis hin zu Fußballspielen, aber auch das Klavierspiel oder das Liebesspiel – all das sind Spiele. Solche Spiele gehören zum Menschsein dazu. 

Im Gegensatz dazu stehen Glücksspiele. Sie sind definiert als Spiele, bei denen Geld eingesetzt wird und bei denen das Spielergebnis (überwiegend) vom Zufall abhängt. Im Englischen wird dies ganz klar unterschieden: „playing“ bedeutet spielen, „gambling“ bedeutet glücksspielen.

Grundsätzlich können alle Glücksspiele süchtig machen. Es gibt aber Unterschiede darin, wie hoch das Suchtpotential der einzelnen Glücksspiele ist: 

In Beratungsstellen sind Automatenspielerinnen und -spieler die größte Gruppe, gefolgt von Glücksspielerinnen und -spielern in Onlinecasinos. Als Faustregel gilt: Je höher die „Ereignisfrequenz“ ist, desto größer das Suchtpotenzial. Damit ist gemeint: Je schneller man ein neues Spiel beginnen kann, umso größer ist die Suchtgefahr. Ein neues Spiel am Automaten beginnt beispielsweise alle 5 Sekunden – eine neue Ziehung vom hingegen nur alle 3-4 Tage. Daher sind deutlich weniger Menschen süchtig nach Mittwochs- bzw. Samstagslotto als nach dem Glücksspiel am Geldspielautomaten. 

Der Weg in die Glücksspielsucht ist in der Regel ein schleichender Prozess. War es anfangs eher ein unregelmäßiges Spielen, so wird es im Laufe der Zeit immer häufiger bei steigenden Geldeinsätzen. Die Kontrolle über das eigene Verhalten beim Glücksspielen geht immer mehr verloren.

Um eine sichere Diagnose zu stellen, ist eine fundierte Diagnostik notwendig. Sie wird z.B. in einer Beratungsstelle durchgeführt: Dort kann festgestellt werden, ob bei dem Verhalten eine beratungs- und behandlungsbedürftige Glücksspielsucht vorliegt und wie stark sie ausgeprägt ist.

Als kurzer Selbsttest eignen sich diese vier Aussagen: 

  • Ich kann mit dem Glücksspielen erst aufhören, wenn ich kein Geld mehr habe. 
  • Ich denke oft an das Glücksspielen und verspüre einen inneren Drang dazu. 
  • Ich versuche immer durch erneutes Glücksspielen meine Verluste auszugleichen. 
  • Zur Geldbeschaffung habe ich schon einmal gelogen oder Tricks angewandt.


Wenn zwei oder mehr dieser Aussagen auf Sie zutreffen, ist das einen Hinweis auf Probleme mit dem Glücksspielen. Das heißt zwar nicht, dass eine Sucht vorliegen muss – aber es besteht ein Beratungsbedarf, den Sie ernst nehmen sollten: Mit einem gebrochenen Bein geht man schließlich auch zu fachkundigen Ärztinnen und Ärzten und wartet nicht ab, ob es sich von alleine wieder richtet.

Im März 2001 haben die Spitzenverbände der Krankenkassen und Rentenversicherungsträger die „Empfehlungen für die medizinische Rehabilitation bei Pathologischem Glücksspielen“ verabschiedet und somit das pathologische Glücksspielen als Erkrankung anerkannt. Diese Empfehlungen bilden die Grundlage für die Finanzierung ambulanter und stationärer Leistungen. Sozialrechtlich sind Glücksspielsüchtige psychisch Kranken gleichgestellt: Sie haben Anspruch auf ambulante und stationäre Behandlung, auf eine Nachsorge und im Einzelfall auf eine Adaptionsbehandlung. Darüber hinaus haben sie die Möglichkeit, Leistungen zur beruflichen Rehabilitation zu beantragen, wie zum Beispiel die Gewährung eines Einarbeitungszuschusses für einen neuen Arbeitgeber bis hin zu einer kompletten Umschulung.

Unsere Expertenhotline ist montags bis freitags von 10 bis 16 Uhr für Sie erreichbar: 0800 – 077 66 11. Der Anruf ist kostenfrei und anonym.

Unsere Onlineberatung bietet Mail-, Chat- und Videoberatungen für Betroffene und Angehörige in deutscher und türkischer Sprache an. Dieses Angebot ist ebenfalls kostenfrei und anonym: https://www.gluecksspielsucht-nrw.de/onlineberatung/index.html

Hilfe vor Ort bieten Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen an. Adressen in Ihrer Nähe finden Sie hier: Adressen

Darüber hinaus finden Sie in Internet Foren zum Austausch, wie zum Beispiel im Forum des Fachverband Glücksspielsucht e. V.: www.forum-gluecksspielsucht.de

Ja, mit in Kraft treten des neuen Glücksspielstaatsvertrags im Juli 2021 können sich Glücksspielerinnen und -spieler bundesweit und spielformübergreifend sperren lassen. Um sich vom Glücksspiel auszuschließen, verwenden Sie diesen Antrag auf eine Selbstsperre: https://rp-darmstadt.hessen.de/sites/rp-darmstadt.hessen.de/files/Antrag%20Selbstsperre%20Gl%C3%BCStV.pdf

Wenn Sie glücksspielsüchtige Angehörige sperren lassen möchten, verwenden Sie diesen Sperrantrag für eine Fremdsperre: https://rp-darmstadt.hessen.de/sites/rp-darmstadt.hessen.de/files/Antrag%20Fremdsperre%20Gl%C3%BCStV.pdf

Nein, wer in irgendeiner deutschen Spielhalle gesperrt ist, ist damit automatisch auch gesperrt

  • in allen weiteren deutschen Spielhallen
  • für Lotterien, die häufiger als 2 mal pro Woche veranstaltet werden 
  • für Sportwetten
  • in deutschen Spielbanken
  • für Geldspielgeräte in Gaststätten
  • in Buchmacherbetrieben
  • für Online-Glücksspiele

Sobald Sie gesperrt sind erhalten Sie eine schriftliche Information darüber und über das mögliche Verfahren zur Beendigung einer Sperre. 

Die Spielersperre dauert mindestens ein Jahr. Bei einer Selbstsperre kann jedoch auch ein anderer Zeitraum beantragt werden, er darf allerdings nicht unter drei Monaten liegen. 

Zur Aufhebung einer Spielersperre ist ein schriftlicher Antrag der Glücksspielerin bzw. des Glücksspielers nötig. Dieser Antrag kann frühestens nach Ablauf der Mindestsperrdauer gestellt werden. Stellt die Spielerin bzw. der Spieler keinen Antrag, endet die Sperre nicht.

Ja, Glücksspielerinnen und -spieler haben einen Auskunftsanspruch gegenüber den Anbietern von Glücksspielen im Internet: Sie haben Anspruch darauf, ihr Spielkonto, die Spielhistorie, ihre Ein- und Auszahlungen, ihre Limits und Transaktionen der letzten zwölf Monate einzusehen. Eine entsprechende Auflistung müssen Anbieter von Glücksspielen unverzüglich und kostenlos zur Verfügung stellen. 

Darüber hinaus müssen die Anbieter von Glücksspielen Spielerinnen und ‑spieler über die Summe ihrer Einsätze sowie ihre Gewinne und Verluste in den letzten 30 Tagen informieren. Diese Informationen müssen sie nach ihrer Authentifizierung im Spielkonto und vor Spielbeginn erhalten. 

  • Stellen Sie sich der Situation und erkennen Sie an, dass Sie ein Problem mit dem Glücksspielen haben, für das es auch eine Lösung gibt.
  • Beginnen Sie offen und ehrlich zu sein und vermeiden Sie Lügen und Heimlichtuereien, vor allem gegenüber Angehörigen. 
  • Sprechen Sie über ihre Situation und über Ihre Schwierigkeiten mit dem Glücksspielen. 
  • Meiden Sie die Orte, an denen Sie gespielt haben und Personen, mit denen Sie gespielt haben. Notfalls machen Sie einen Umweg. 
  • Hilfreich kann auch eine zeitlich begrenzte Geldverwaltung durch eine Vertrauensperson sein. 
  • Falls Sie Casinospieler sind, veranlassen sie eine Spielersperre für sich. 
  • Denken Sie über ein suchtfreies Leben nach und entwickeln Sie neue Ziele. 
  • Gestalten Sie ihre Freizeit aktiv und treiben Sie Sport.
  • Beobachten Sie sich selbst. Nehmen Sie bewusst wahr, was Sie fühlen, denken und wie Sie handeln. 
  • Sprechen Sie mit Expertinnen und Experten: in einer Beratungsstelle, in der Onlineberatung oder an der Infoline Glücksspielsucht 0800-0776611.
  • Akzeptieren Sie, dass pathologisches Spielen eine Krankheit ist. 
  • Versuchen Sie nicht, glücksspielende Angehörige zu kontrollieren: Betroffene finden immer einen Weg zum Glücksspielen und Ihre Nerven liegen irgendwann blank. 
  • Übernehmen Sie nicht die Schuld oder die Verantwortung für das Glücksspielen ihrer Angehörigen. 
  • Leihen Sie kein Geld und übernehmen Sie keine Schulden. 
  • Sprechen Sie über ihre Probleme: Holen Sie sich Hilfe in einer Selbsthilfegruppe oder Beratungsstelle. 
  • Teilen Sie anderen Angehörigen oder Freunden die Situation mit, damit auch sie kein Geld an glücksspielsüchtige Angehörige verleihen.