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 24.09.2018
 „Vielleicht fangen Leute an, durch die Werbung Sachen zu machen, die sie eigentlich gar nicht machen wollen. (…) Die Werbungen sind ja auch gut gemacht, es zeigt dir, dass du Geld verdienen kannst und das liegt in deiner Hand.“ Christian, 17 Jahre, Schüler

Pressemitteilung - Landeskoordinierung Glücksspielsucht Nordrhein-Westfalen fordert anlässlich des bundesweiten Aktionstages Glücksspielsucht strengere Regeln für Werbung

  
 Am Mittwoch, den 26. 9. 2018 findet der jährliche bundesweite Aktionstag Glücksspielsucht statt. Schwerpunktthema ist in diesem Jahr die „Werbung für Glücksspiele“. Mit vielfältigen Aktionen gehen Mitarbeitende der Suchthilfe und Ehrenamtliche auf die Menschen zu. Sie informieren im persönlichen Gespräch über die Gefahren, die von der Teilnahme an Glücksspielen ausgehen können. [...]
  
 In Nordrhein-Westfalen leben über 80.000 Menschen, die mit dem Glücksspielen Probleme haben (1). Besonders gefährdet sind junge Männer. Hinzu zählen muss man die Angehörigen (Partner, Kinder, Eltern, Freunde), die oft erheblich in Mitleidenschaft gezogen werden. Die Folgen der Glücksspielsucht sind gravierend: Überschuldung, Wohnungs- und Arbeitsplatzverlust, Zerbrechen von Familien, Vereinsamung bis hin zum Suizid.

Um auf die Risiken, die mit der Glücksspielteilnahme verbunden sind, aufmerksam zu machen und diese Suchtform stärker in den Blickpunkt der Öffentlichkeit zu rücken, beteiligen sich in Nordrhein-Westfalen - neben der Landeskoordinierungsstelle Glücksspielsucht – viele Beratungsstellen, Selbsthilfegruppen und Fachkliniken.

Der Werbeetat für Glücksspiele wächst von Jahr zu Jahr. Allein in Deutschland gibt die Glücksspielindustrie mehrere Hundert Millionen Euro jährlich dafür aus. So wurde allein für Lotteriewerbung (Lotto und Toto) im Jahr 2017 knapp 200 Mio. € aufgewandt. Hinzu kommt, dass immer mehr Online-Casino-Betreiber in Internet- und Fernsehwerbung investieren und dort ihre illegalen Angebote anpreisen. Für Verbraucherinnen und Verbraucher ist die Lage undurchsichtig. Kaum einer weiß, dass Online-Casinos in Deutschland höchstrichterlich verboten sind (2). Man geht im Allgemeinen davon aus, dass etwas, das im Fernsehen beworben wird, auch legal ist. Schließlich sieht man ja dort auch keine Werbespots für Cannabis, Heroin, Schusswaffen oder Ähnliches.

Ilona Füchtenschnieder (Leiterin der Landeskoordinierung Glücksspielsucht) sieht die Entwicklung mit Sorge: „Wir sehen Werbung für Suchtmittel generell kritisch. Insbesondere da, wo sich viele Jugendliche und junge Erwachsene aufhalten wie z.B. in Fußballstadien. Da sollte nach unserer Auffassung überhaupt nicht geworben werden. Am besten wäre es, wenn dies nur am „Point of Sale“ möglich wäre.“

Werbung für Glücksspiele wirkt. Nicht umsonst geben die Glücksspielanbieter derart große Summen dafür aus. Eine Untersuchung der Universitätsklinik Mainz konnte z.B. zeigen, dass nach dem Betrachten eines Pokerwerbespots dem Zufallseinfluss ein geringerer Anteil beigemessen wurde als zuvor. Gleichzeitig wurde die subjektive Kontrollierbarkeit dieses Glücksspiels höher eingeschätzt (3). Insbesondere für Personen, die bereits Probleme mit dem Glücksspielen haben, stellt Glücksspielwerbung einen besonderen Anreiz zur Spielteilnahme dar. Werbung für Suchtmittel sollte sich daher an ihrer Wirkung auf die „verletzlichsten“ Konsumenten messen lassen.

Das führt zur Forderung nach umfassenden Beschränkungen der Glücksspielwerbung:
- Verbot der Image- und Dachmarkenwerbung
- an Bonusangebote und Gratiswetten geknüpfte Bedingungen müssen offen kommuniziert werden
- keine Spielaufforderungen wie z.B. „Jetzt wetten“ (auch nicht per Mail oder SMS)
- keine Werbung in und an Sportstadien
- sehr begrenzte Fernseh-Werbung (ab 22 Uhr und nicht für Glücksspiele mit hohem Sucht-potential)
- kein Sponsoring von Sportvereinen, -veranstaltungen etc.

Ähnliche Forderungen werden auch in England diskutiert. Italien führt als erstes EU-Land im nächsten Jahr sogar ein sehr weitgehendes Werbeverbot für Glücksspiele ein (4). In Deutschland scheint ein führender Glücksspielanbieter ebenfalls ein Totalverbot von Glücksspielwerbung für möglich zu halten und hat sich vertraglich dagegen abgesichert (5).

Angebote der Landeskoordinierung Glücksspielsucht NRW zur Beratung und Behandlung

Broschüren und Flyer: Kostenfreie Bestellung bzw. Download unserer Materialien (Broschüren, Flyer, Postkarten) unter:

www.gluecksspielsucht-nrw.de/materialien.php?cmd=kampagne

Telefon- und Onlineberatung: Die LK Glücksspielsucht NRW betreibt eine deutsch- und eine türkischsprachige Telefonberatung sowie eine Onlineberatung ebenfalls in beiden Sprachen. Alle Angebote sind kostenfrei und können anonym genutzt werden.

Deutschsprachige Telefonberatung: 0800 077 66 11
Türkischsprachige Telefonberatung: 0800 32 64 762
Onlineberatung: www.gluecksspielsucht-nrw.de/onlineberatung

Beratungs- und Behandlungsangebote: Adressdatei mit Hilfeangeboten für Glücksspielsüchtige und ihre Familien (Beratungsstellen, Fachkliniken, Selbsthilfegruppen):
www.gluecksspielsucht-nrw.de/adressen.php

Fußnoten:
1 42.000 pathologisch Glücksspielende und 41.000 problematisch Glücksspielende
2 www.bverwg.de/pm/2017/74
3 www.mags.nrw/sites/default/files/asset/document/gluecksspiel_abschlussbericht.pdf
4 www.kleinezeitung.at/wirtschaft/5457880/Erstes-EULand_Italien-verbietet-Werbung-fuer-Gluecksspiele
5 rp-online.de/nrw/staedte/duesseldorf/vertrag-zur-merkur-spielarena-waere-wohl-nicht-kuendbar_aid-32854307


Kontakt:
Landeskoordinierungsstelle Glücksspielsucht Nordrhein-Westfalen
Niederwall 51
33602 Bielefeld
Fon: 0521_399 55 89_0
kontakt@glueckspielsucht-nrw.de
www.gluecksspielsucht-nrw.de
www.glüxxit.de
www.facebook.com/gluecksgriff.nrw


 
  
 
 
  




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